Corps Étrangers

Zeitgenössischer Tanz/Neuer Zirkus (2013/2014)

MOUVOIR/Stephanie Thiersch gewinnt mit Corps Étrangers den Leipziger Bewegungskunstpreis 2014.

Der Boden der Tatsachen. Unsere aufgeklärte, (post)moderne Gegenwart. Verlassen wir sie einfach. Richtung Himmel, Wildheit, Aberglauben. Hinter heutige Gewissheiten, die den Menschen klar von Tier, Pflanze, Ding zu unterscheiden wissen. Gefährlich? Vielleicht. Zeitgenössischer Tanz und Neuer Zirkus verbünden sich in Corps Étrangers zu einem transnationalen Ensemble aus Tänzern, Akrobaten und Seilen, das sich zu immer neuen, hybriden Körperwesen zusammensetzt. Ein Spiel mit Bildern, Verkleidungen, physikalischen Kräften – Bedeutungen auf der Flucht.

Presse

Gravitation wird zum Spielball, überwunden durch Kraft und Körperbeherrschung.

(Esther Boldt, tanz 12/2013)

(…) Während das Lachen der Zuschauer vom Applaus übertönt wurde triumphierte der Sirenenruf der Anarchie kurzzeitig über die rückvergewissernde Zwangsjacke der Zivilisation.
(India Stoughton, The Daily Star)

Humor, Poesie, Sinn für Spiel, Fantasie, Wunderliches, Fantastisches und Bizarrerie in einer Vorstellung, die endgültig Konventionen und geformten Schritten den Garaus macht.
(Edgar Davidian, L’ Orient LE JOUR)

Thierschs Choreographie ist bildstarke, brillant komponierte Anarchie. (…) Was bleibt übrig, wenn der Mensch die beengende Zivilisation abstreift? Kraft, Schwerelosigkeit. Und Freiheit.
(Renee Wieder, Rheinische Post)

Thiersch baut [dafür] hintergründige Szenen, zeigt den Evolutionszirkus als Nouvelle-Cirque-Maskenball zwischen Totem und Tabu, Travestie und Animismus. (…) Wie wohltuend, derlei mal wieder gesehen haben zu dürfen, zeigt auch der lange, begeisterte Applaus nach intensiven und starken 90 Minuten.
(Steffen Georgi, Leipziger Volkszeitung)

Auszug aus der Jurybegründung – Leipziger Bewegungskunstpreis 2014

In jedem Fall tut sich ein archaisch-anarchisch-akrobatisches Universum der Freaks, der Fremdkörper auf, dessen Durchdachtheit und Virtuosität Assoziationsketten sprengt und das in seinen besten, dichtesten Momenten, auch einen wirksamen Gegenentwurf, einen, man kann das in dem Fall mal genau so sagen: Gegenzauber zur Entzauberung der Welt aufzeigt.
Die Produktion von Stephanie Thiersch und ihrem französisch-deutschen Künstlerkollektiv gibt somit auch ein Musterbeispiel. Nicht nur für die Existenzberechtigung der freien Szene, die so selbstverständlich, wie sie gern postuliert wird, nicht ist. Sondern vor allem für ein künstlerisches Potential, das Welt und Dasein in einer Art zu reflektieren vermag, die von einer – um dieses Wort noch mal zu benutzen – geistigen und ästhetischen Autonomie ist, welcher unser Gegenwartskulturbetrieb zunehmend vermissen lässt.

Besetzung

Konzept/Inszenierung: Stephanie Thiersch; Tanz/Akrobatik/Kreation: Fabien Almakiewicz, Mathieu Antajan, Tim Behren, Florian Patschovsky, Valenti Rocamora i Torà; Choreografische Assistenz: Viviana Escalé, Alexandra Naudet; Lichtdesign/Technische Leitung: Niko Moddenborg; Bühnenbild: Fabien Almakiewicz; Kostüme: Sabine Schneider; Dramaturgie: Anna Volkland; Sound/Komposition: Emmanuelle Gibello; Fotografie: Martin Rottenkolber; Management: Béla Bisom/transmissions; Produktionsleitung: Ines Disselbrede.

Produktion

MOUVOIR in Kooperation mit Freihandelszone Ensemblenetzwerk Köln; koproduziert durch: tanzhaus nrw Düsseldorf; LOFFT – Das Theater Leipzig; Theater im Pumpenhaus Münster; Al Madina Theater/Maqamat Theatre Beirut; unterstützt durch: CENTQUATRE/104 Paris, O espaco do tempo; gefördert durch: Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes NRW; Kulturamt der Stadt Köln; Kunststiftung NRW; Stadt Leipzig Kulturamt; Kulturstiftung des Freistaates Sachsen.